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SKURRILE OBJEKTE AUS DEM ERSTEN WELTKRIEG

23 Januar - 11 August 2002.

100 Exponate aus den Beständen des Historial de la Grande Guerre in Péronne
(Somme, Frankreich)

„Wer sich erinnert, lebt“
(Les Annales, 14. Januar 1917)

Sie wirken, als entstammten sie einer dieser poetischen und bunt zusammengewürfelten Aufzählungen in den Gedichten von Jacques Prévert. Ob es sich um militärische Ausrüstung oder Gebrauchsgegenstände, um dekorative oder symbolische Objekte handelt, ob sie deutscher, britischer oder französischer Herkunft sind – alle hier ausgestellten Stücke sind zugleich Spiegel der Geschichte und Spuren jener uns unbekannten und vielleicht ganz unscheinbaren Menschen, die diese Geschichte erlebt und erlitten haben.

Verblüfft steht man vor den mittelalterlich wirkenden Ausrüstungsgegenständen und den „perfektionierten“ Stichwaffen, gerührt betrachtet man das Kriegsspielzeug und die Miniaturausgaben von Uniformen für Kinder, die viele Väter nicht mehr aufwachsen sehen konnten. Man amüsiert sich über die naiven oder auch bissigen Karikaturen. Am meisten aber berühren einen die vielen Dinge, die in Schützengräben, Unterständen und Lazaretten gebastelt wurden, um über das Warten, die Sehnsucht, das Leid und die Angst hinwegzukommen.

Metallringe mit Gravuren, Granathülsen, die zu Vasen mit idyllischen Landschaftsbildern umgearbeitet wurden, perlenbestickte Herzen, einfache Musikinstrumente, holzgeschnitzte Gehstöcke und Pfeifen, Heiligenbildchen und Statuetten, Feuerzeuge, Zigarettenetuis, Spielzeug … die Soldaten beider Seiten waren – ohne sich dessen bewusst zu sein – geeint in ihrer Kreativität und Phantasie, in dem vitalen Bedürfnis, sich auszudrücken. Die Schöpfer dessen, was man später „Schützengrabenkunst“ nannte, verwandelten Überreste von Kriegsmaterial in etwas, das weit mehr ist als ein Erinnerungsstück für Angehörige oder praktisches Gerät oder sinnreiche Bastelei: ein Manifest für das Leben.

Diese Objekte sind von grossem historischen und archäologischen Wert, doch was den Betrachter vor allem berührt, das ist ihre suggestive Kraft und ihre Menschlichkeit, das ist die Art und Weise, wie sie noch vier Generationen und mehr als 80 Jahre später in uns ein Gefühl für Würde, Solidarität und Hoffnung wecken.

Diese Objekte zeugen von der gleichen Not, von der gleichen Erfindungsgabe und Vielfalt wie die Gegenstände, die IKRK-Delegierte bei ihren Besuchen in Gefängnissen erhalten haben und die heute zu den Beständen des Museums gehören. Sie sprechen uns in der gleichen Weise emotional an, und sie wecken unser Mitgefühl und unsere Dankbarkeit.