- Internationales Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum - http://www.redcrossmuseum.ch/de -

RUND UMS BLUT

9. April - 10. August 2003

„Wenn es im Krieg vergossen wird, sind wir entsetzt und empört; wenn es in unseren Adern fliesst, freuen wir uns, dass es uns lebendig erhält: so zeugt es zugleich vom Leben und vom Grauen. Das Blut, diese unersetzliche Flüssigkeit, ist unser Begleiter im Abenteuer der Menschheit mit all seinen Facetten, der physischen, der ideologischen und selbst der geistigen.“
Arlette Farge, Historikerin (1988)

Das Blut… faszinierend und fremd, vertraut und dennoch geheimnisvoll.

Blut definiert den Menschen und die Gesellschaft, in der er lebt. In allen Kulturen gilt es als Sinnbild und begründet soziale Bindungen: in Gesellschaften, deren Selbstverständnis sich über das Blutopfer definiert, mit dem sie sich göttlichen Schutzes versichern wollen, wie auch in Gesellschaften, die glauben, dass erbliche Merkmale durch Blut weitergegeben werden. Wenn eine Gesellschaft hingegen Blut vergiesst, dann zur Bestrafung oder Ausgrenzung. Die Idee des Blutes begegnet uns in allen Lebensbereichen, in Redewendungen, in der Literatur, im Film …

Die Ausstellung lädt die Besucher und Besucherinnen ein, sich über eine Reihe gesellschaftlicher und kultureller Alltagspraktiken und über den Umgang mit Blut in der heutigen Welt Gedanken zu machen. Weshalb nimmt man Blut zu sich? Warum wird es konserviert, vergossen, gespendet oder verkauft? Die Medizin und die Rechtswissenschaft berufen sich auf das übergeordnete Recht auf Leben, um immer neue Wege zu finden, wie Blut ersetzt und wie Leben erhalten werden kann. In manchen Ländern – darunter auch der Schweiz – richtet sich der Erwerb der Staatsangehörigkeit nach dem Abstammungsprinzip (ius sanguinis oder Recht des Blutes).

Die neuen Formen des Konflikts werden als saubere Kriege bezeichnet. Dennoch wird auch weiterhin Blut vergossen, und zwar vor allem das der Zivilbevölkerungen. Bilddokumente lassen uns ahnen, wie sich die Friedensaktivisten fühlen, die als „menschliche Schutzschilder“ ihr Leben aufs Spiel setzen. Ausgestellt sind auch Gegenstände, die von Gefangenen angefertigt wurden und uns daran erinnern, dass die Delegierten des IKRK Gefangene schützen.

Zwei Drittel der Nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften sind im Blutspendebereich tätig. Blutspenden dienen der sozialen Integration und sind für die Medizin nach wie vor unverzichtbar; hier ist ein regelrechter Markt entstanden, und an den Blutspendekampagnen beteiligen sich auch humanitäre Organisationen. Die umfangreiche Plakatsammlung des Museums vermittelt eine Vorstellung von dieser Tätigkeit und ihren medizinischen, sozialen und ethischen Aspekten.