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DIE LAGER

11. September - 8. Dezember 2002

BILDGEDÄCHTNIS DER NAZI – KONZENTRATIONS- UND VERNICHTUNGSLAGER 1933 – 1999

„Das Vergessen der Vernichtung ist Bestandteil der Vernichtung“
(Jean-Luc Godard)

Wir alle kennen Fotos aus den Konzentrations-lagern. Vor allem diejenigen, die nach der Befreiung aufgenommen wurden. Es sind die bekanntesten und am weitesten verbreiteten Fotos, doch meist sind sie weder mit einem Text noch einem Datum noch dem Namen des Fotografen versehen. Es sind schockierende und häufig unerträgliche Bilder, die weniger informieren als vielmehr aufmerksam machen sollen. Es handelt sich daher um Manifeste und erst in zweiter Linie um Dokumente.

Diese Bilder – oder genauer eine Auswahl von ihnen, denn es gibt viele Tausende – sind hier zu sehen. Sie alle werden in einen Kontext gestellt und ihre Entstehung wird nachgezeichnet, um sie über die emotionale Dimension hinaus wieder in den Rang historischer Dokumente zu erheben.

Desgleichen sind Fotos ausgestellt, die während des Krieges, also zu der Zeit, als die Lager „in Betrieb“ waren, in den Lagern aufgenommen worden sind. Es handelt sich um zwei sehr unterschiedliche Arten von Bildern. Zunächst um die von den Nazis angefertigten erkennungs-dienstlichen Aufnahmen sowie um Propaganda- und offizielle Fotos. Diesen verlogenen und gestellten – und häufig umso erschreckenderen – Bildern stehen die weitaus weniger zahlreichen Aufnahmen gegenüber, die in den Lagern von den Häftlingen selbst gemacht worden sind. Diese unscharfen, verwackelten und heimlich aufgenommenen Fotos sind sicherlich die bewegendsten. Sie sind weitaus mehr als Symbole, nämlich wirkliche Dokumente, die unter Lebensgefahr und im Angesicht des Todes von Menschen aufgenommen wurden, die uns durch ihre Bilder zu verstehen geben, dass diesem Wahnsinn, der uns alle bedroht, dringend Einhalt geboten werden muss.

Im dritten Teil der Ausstellung sind Fotos aus der heutigen Zeit zu sehen. Es sind künstlerisch gestaltete Bilder, die uns mit Hilfe von Symbolen und Metaphern davor warnen zuzulassen, dass das Erinnern nach und nach zum Gedenken erstarrt.

Diese Ausstellung will dennoch jede symbolische und metaphorische Nutzbarmachung vermeiden. Wo die Bewegung des Denkens nicht mehr möglich schien, kommt uns das Bild zu Hilfe. Doch wie geht es weiter? Die Auswahl der Bilder und die Präzision der dazugehörigen Texte hilft uns, die Emotion hinter uns zu lassen und zu beginnen, das Undenkbare zu denken. „Die Wahrheit“, so Hannah Arendt zum Auschwitz-Prozess, „werden wir nicht finden, jedoch Momente von Wahrheit, und sie werden das Einzige sein, das wir haben, um Ordnung in dieses furchterregende Chaos zu bringen“.